Samstag, 25. Februar 2012

Bühnenstart: Beim ersten Mal tat’s noch weh




Als ich acht Jahre alt war, stand ich das erste Mal auf einer Bühne. Weihnachtsfeier. Warum gerade ich? Weihnachtsgedicht aufsagen. Warum ich? Egal. Mit dem Mikro in der Hand begann ich:

Von drauss' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit grossen Augen das Christkind hervor …

Ich hatte das Gedicht schon 100 Mal aufgesagt. Ich konnte den Text und die Präsentation im Schlaf. Und irgendwie kam ich mir auch schon zu alt vor. Ich war acht Jahre alt. Das war ein Gedicht für Fünfjährige. Ich stand noch immer vor dem Moderator und wollte schon ein bisschen zornig gucken, da ermahnte er mich, nicht zu ihm, sondern zum Publikum zu sprechen.

Irgendwie hatte ich es erst jetzt richtig bemerkt. 350 Augenpaare schauten mich gespannt an. Und nun war ich fassungslos. Das war ja spannend: so viele Menschen schauten m-i-c-h an. Dabei war ich doch nichts Besonderes. Das Gedicht war nicht neu und nicht einmal von mir, sondern von Theodor Storm. Auch mein Kleid war nicht so der Hit. Warum schauten die mich an und warum wurde ich auf die Bühne geholt und nicht die anderen? Helga oder Vera oder mein Bruder?

Ich war nur noch gedankenvoll und sprachlos. Das Gedicht? Vergessen? Kein rühmlicher Abgang!

Ich hatte nicht funktioniert!
Ich hatte meinen eigenen Kopf.
Und meine eigenen Gedanken.
Und zu viele Fragen.
Und die waren noch nicht erwünscht.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Nun, vielleicht haben Sie auch mal auf einer Bühne gestanden – und irgendwie nicht den Vorgaben der anderen entsprochen?

Manchmal nennen wir das ein „Versagen“. Oder einen Misserfolg. Und dann packen wir das heisse Eisen nie mehr an. Obwohl wir es gerne wieder in Ordnung bringen würden. Richtig statt falsch machen. Aber wir haben schon aufgehört zu glauben, dass wir es schaffen können. Aufgeben nach einem Versuch. Wer kennt das nicht? Aufgeben nach einem Versuch? Bei mir war es das Wellenreiten. Irgendwie wollte das Surfbrett nicht so wie ich. Und umgekehrt.

Mit dem Reden war es jedoch ganz anders. Ich habe mir meine erste Bühnenerfahrung sehr zu Herzen genommen. Weihnachtsfeiern und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Jubiläen, Geburtstage, Ostern, Pfingsten, Karneval. Meine Mutter schrieb für uns kleine Sketche und Theaterstücke. Mein Bruder und ich waren die kleinen Schauspieler.

Und da ich gerade so schön dabei war, gab es Schauspielunterricht und Stimmbildung als Zugabe.

Später war keine Rednerschule vor mir sicher.  Und kaum eine Bühne.

Bis heute ist es eine Freude für mich, Reden halten zu können. Hier können Sie mich buchen:



Wenn Sie auch so eine alte Sünde aus der Kindheit haben, die noch in Ihnen gärt: Bitte geben Sie sich eine zweite Chance!

Kontakt
Lilli Cremer-Altgeld

lillicremeraltgeld@t-online.de 
http://lillicremeraltgeld.blogspot.com/ 





Foto: Saskia-Marjanna Schulz